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Dem Fortschritt in Deutschland keine Chance –
bloß kein 12 Watt SSB!?



Ein Kommentar vom aktiven CB-Funker und Funkfachjournalisten Horst Garbe, DFI 363


Einseitenbandmodulation war die technische Revolution in der Sprachübertragung per Funk, die bis dahin nur per Amplitudenmodulation stattfand. Bereits in den dreißiger Jahren entwickelt erreichte SSB (Single Side Band), der Einseitenbandfunk mit unterdrücktem Träger, in den sechziger Jahren seinen Siegeszug durch den kommerziellen Funk (See- und Flugfunk) über den Amateurfunk bis hin zum zunächst nur amerikanischen CB-Funk. Die Vorteile sind eine effizientere Leistungsausbeute und vor allem die weitaus geringere zu belegende Bandbreite des Sendesignals gegenüber AM oder der sehr breitbandigen Frequenzmodulation (FM). Erst im Jahre 2002 (!) durften deutsche CB-Funker am Fortschritt teilhaben und mit dem hierzulande auf 4 Watt gestutzten SSB arbeiten. Der Weltstandard liegt indes bei 12 Watt – und die sollen jetzt endlich auch in Deutschland und Europa kommen. „Prima!“ möchte man meinen, doch eine mehr als seltsame Diskussion um die 12 Watt hat die CB-Funk-Welt ereilt. 

 

Zahlreiche deutsche CB-Funk-Institutionen, wie die „Arbeitsgemeinschaft Funk“ (AFD) oder die „Deutsche CB-Funk-Organisation“ (DCBO) haben sich für den technischen Fortschritt ausgesprochen und befürworten die 12 Watt Regelung. Andere Institutionen, so der Deutsche Arbeitskreis für CB- und Notfunk“ (DAKfCBNF) hinterfragen den Sinn einer Leistungserhöhung. So heißt es unter anderem, dass die Befürwortung der Leistungserhöhung im Vordergrund stehe, „jedoch  jede Beeinflussung durch elektromagnetische Wellen in diesem Frequenzbereich auf sicherheitsrelevante Geräte minimiert werden solle. Es sollte daher geprüft werden, ob eine Leistungserhöhung im europäischen Raum sinnvoll ist“. Franz Ahne stellt zudem als Grund für die Leistungserhöhung die größere erzielbare Reichweite bei LKW-Fahrern heraus (woher auch immer diese Ansicht stammt), um in einem Atemzug die Realität zu nennen: LKW-Fahrer funken nämlich vorwiegend in FM und AM. Tatsache aber ist, dass es schon seit Jahrzehnten in den USA die lang erprobte 12 Watt-CB-Funktechnik gibt – also nichts Neues ist. In Deutschland müssen aber die Geräte von den Herstellern beziehungsweise ihrem deutschen Vertrieb auf die deutsche Norm zurückgebaut werden. Letztendlich Kosten, die der Verbraucher, also Gerätekäufer, tragen muss! Nun mag man mitunter zu Recht argumentieren, dass CB-Funkgeräte im Vergleich mit Amateurfunkgeräten nicht immer die Hochwertigsten sind und daher bei den Endstufen auf aufwändige Oberwellenfilter verzichtet wird. Andererseits ist die Technik auch im CB-Funk nicht stehen geblieben und moderne Funkgeräte sollten die meist für Störungen verantwortlichen Oberwellen durch entsprechende Filter in Ihre Schranken verweisen.  

 

Der Ehrenvorsitzende des DAKfCBNF, Franz Ahne, sieht sich aus seiner beruflichen Position als Fahrlehrer dazu veranlasst, auf gravierende Gefährdungen des Straßenverkehrs durch eine Leistungserhöhung und SSB zu verweisen. Zum Einen könnten die 12 Watt die Bordelektronik stören, zum Anderen die „aufwändigere“ Bedienung bei SSB (Clarifier) den Autofahrer von seinem fahrerischen Tun ablenken. (Bei der derzeitigen Regelung von vier Watt stellt dies seltsamerweise kein Problem dar.) Daher, so Ahne gegenüber der entsprechenden CEPT-Arbeitsgruppe, sollte diese dem Unterfangen der 12 Watt nicht zustimmen. Er stimmt damit gegen seinen eigenen Verband! Dieser hatte in seiner Stellungnahme darauf hingewiesen dass die Befürwortung für die Leistungserhöhung von vier auf 12 Watt in der Betriebsart SSB im Vordergrund steht. Ob nach dieser Logik nun auch Navigationsgeräte, Autoradios, mobile Telefone und anderes mehr aus Fahrzeugen verbannt werden? Und das in den USA die meisten Verkehrsunfälle wegen unaufmerksamer mobiler CB-Funker stattfinden, davon ist zumindest mir nichts bekannt!  

 

Die „Deutsche Funkallianz“ (DFA) informiert in einer mehrseitigen Stellungsnahme durch Mathias Czaya unter dem Titel „Einwände gegen die Erhöhung der CB-Funk-Leistung auf 12 Watt“. Interessanterweise wird in einem auf der DFA-Webseite veröffentlichten Tondokument genau das Gegenteil behauptet: Die DFA habe sich nie gegen eine Leistungserhöhung in SSB ausgesprochen, vielmehr habe man nur auf die Störproblematik verwiesen, sich jedoch nicht gegen die 12 Watt gestellt. Gleichzeitig spricht die DFA in ihrer Stellungsnahme davon, dass das europäische Normungsinstitut ETSI die Ungefährlichkeit von CB-Funkgeräten mit 12 Watt SSB und die Vereinbarkeit mit Haushaltselektronik nachweisen solle. Interessanterweise macht sich die DFA hier die Wortwahl der Mobilfunkgegner zu eigen und suggeriert „Gefährlichkeit“ des CB-Funks. So kann man den ohnehin in Deutschland nicht mehr so hell leuchtende Stern des CB-Funks natürlich ganz zum Erlöschen bringen. Denn eine Antennengenehmigung erhält wohl kaum jemand, der „gefährlichen Funk“ betreibt. Ist es das, was die DFA in Ihrer Internetpräsenz meint: „DFA - Für alle, die dem CB-Funk neue Impulse geben wollen...“ 

 

Als Hauptkritikpunkte gegen die 12 Watt Sendeleistung werden elektromagnetische Störungen angegeben, wie angeblich störbare per Funk betriebene Baustellenampeln, elektronische Geräte im Haushalt, Fernsehempfang im Band I, Videogeräte und Fernsehdekoder und anderes mehr. Auch ich muss ehrlicherweise eingestehen, dass es in Ausnahmefällen zu Störungen kommen kann – keineswegs aber muss, wie einem von den Kritikern suggeriert wird. Ich bin der Auffassung, dass der Funkmessdienst keinesfalls alle paar Tage wegen des Einsatzes gegen 12 Watt Störungen Massenrechnungen gegen CB-Funker ausstellen wird. Meiner Meinung nach erfolgt hier eine absolute Überbewertung der 12 Watt-Einführung, die aber mehr zum Schaden des Rufes des CB-Funks, als zum Positiven gereicht. Denn eines ist klar, kommt es in einem Härtefall wirklich mal zu Störungen, wird der Betroffene mit Freuden darauf hinweisen, dass ja die CB-Funker sich selbst schon für die Störungen von vorne herein als schuldig erklärt haben und nicht etwa mangelnde Abschirmmaßnahmen der Unterhaltungs- und Computerindustrie die Schuld geben.  

 

Die meisten CB-Funker betreiben ihre Funkanlagen mobil oder an Hochantennen. In beiden Fällen geht die Sendeleistung meist ausreichend entfernt von möglichen zu störenden Geräten vorbei beziehungsweise erreicht an den Geräten minimale Feldstärken. Natürlich kann es in Ausnahmen zu Härtefällen kommen, bei denen sich Störer und Gestörter entgegenkommen sollten. Dabei weis Mathias Czaya als Funkamateur, dass man allein schon mit Ferritkernen sowohl bei Lautsprecherzuleitungen als auch bei Computerkabeln (sofern sie nicht ohnehin schon mit Klappferriten versehen sind) schnell Abhilfe schaffen kann. Auch das durch die dritte Oberwelle der CB-Funkgeräte so problematische Fernsehband I spielt kaum eine Rolle mehr, da im Rahmen der bundesweiten Digitalisierung des terrestrischen Fernsehens auf den für uns CB-Funker so risikoreichen Frequenzen nicht mehr gesendet wird. Letztendlich werden sich in Härtefällen die Störungen auf sogenannte Direkteinstrahlungen in das gestörte Gerät beziehen, da Kabel- und Satellitenfernsehempfang Störungen eher entgegenwirken als umgekehrt.  

 

Auch wird auf die Power-Line-Communication (PLC) Problematik verwiesen. Hier ist mein Standpunkt klar, die Kurzwelle wird von PLC gestört (siehe als dramatisches Beispiel den Raum Mannheim), weshalb ich schon vor Jahren den CB-Funkverbänden nahegelegt hatte, sich mit der Kurzwellenradiovereinigung ADDX und dem Deutschen Amateurradio Club (DARC) zusammenzutun, um gemeinsam gegen PLC vorzugehen. Denn nicht wir stören PLC – PLC stört uns! Offensichtlich scheint diese Problematik aber die CB-Funkverbände kaum zu interessieren.  

 

Abschließend sei zu bedenken: Die USA betreiben 12 Watt SSB seit Jahrzehnten, das Land wurde keineswegs in ein elektromagnetisches Chaos gestürzt. Polemisch ausgedrückt: Kein Computer ließ Raketen unkontrolliert starten oder Spaceshuttles im Acker landen. Und nicht anders bei den 350.000 Funkamateuren in Europa, davon rund 75.000 in Deutschland, die immerhin im Durchschnitt mit 100 Watt (!) in SSB senden. Wenn also die Problematik der elektromagnetischen Verträglichkeit wirklich so groß wäre, wie bei den 12-Watt-Kritikern hochgespielt, dann müsste es schon längst zehntausende Prozesse bei den Funkamateuren gegeben haben und Deutschland langsam aber sicher dem Tod des privaten Funks entgegensiechen. Will man der Diskussion trotz aller Widrigkeiten etwas Positives abgewinnen, dann kann es nur das sein, dass die CB-Funk-Gerätehersteller in ihren Senderausgangsstufen hochwertige Entstörfilter als Oberwellenbremse installieren und man die Unterhaltungs- und Computerindustrie in ihre Verantwortung einer ordentlichen Abschirmung ihrer Anlagen nimmt. Keinesfalls aber kann die Ablehnung von 12 Watt SSB im Vordergrund stehen – weil andere nicht ihre Hausaufgaben gemacht haben! 

Horst Garbe, DFI 363